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Arbeitest du noch oder gärtnerst du schon

Arbeitest du noch oder gärtnerst du schon?

Biophilic Design kann Arbeitsumgebungen verbessern, wenn es mehr als Deco ist / Timo Brehme von CSMM über Pro und Contra grüner Konzepte in der Arbeitswelt

München, 24.05.2018. Spätestens seit Amazon-Chef Jeff Bezos mit über 40.000 Pflanzen den Dschungel in sein Unternehmen in Seattle geholt hat, wird das Thema Büropflanzen auch in Deutschland wieder kontrovers diskutiert. Während Befürworter durch Pflanzen Arbeitsklima, Aufmerksamkeit und Wohlbefinden gedeihen sehen, verweisen Skeptiker auf Keime, verwahrloste Pflanzkübel und verlorene Arbeitszeit. „Aus funktioneller Sicht spricht mehr gegen Büropflanzen als dafür“, erklärt Timo Brehme, Geschäftsführer des Münchner Unternehmens CSMM, das deutschlandweit Arbeitswelten kreiert und einrichtet. Biophilic Design, wie Konzepte genannt werden, die in städtischen Umgebungen die „Liebe zum Lebendigen“ integrieren, muss nach Worten des Experten mehr können als Natur in der konstruierten Welt zu mimen. 

Mooswände, vertikale Gärten in der Lobby, Hydrokulturen und Tischpflanzen: Nach „Grüner Wohnen“ heißt es in vielen Unternehmen längst „Grüner Arbeiten“. Der Bürodschungel kann nicht nur den Schall reduzieren, sondern laut Forschern der Cardiff University Aufmerksamkeit, Wohlbefinden und Produktivität bei den Angestellten um bis zu 15 Prozent steigern. Andere Untersuchungen konnten zeigen, dass Hotelgäste für einen Blick ins Grüne bereitwillig 30 Euro mehr pro Nacht zahlen, dass Kinder in natürlichem Licht ein Viertel schneller lernen oder dass zehn Prozent der Arbeitnehmerabwesenheit durch Architektur verursacht werden, die keine Beziehung zur Natur hat.

Was logisch klingt, lässt sich jedoch nicht durch wahllos aufgestellte Blumenkübel lösen. Die Natur zieht damit noch lange nicht ins Büro ein. „In der Praxis sieht es vielmehr oft so aus, dass gerade erdbasierte Pflanzen schimmeln oder welken. Gerade wenn das Thema Pflanzen im Büro nicht zentral geregelt ist, kommt es zum Wildwuchs, der dem Büro und den Mitarbeitern eher schadet“, weiß Brehme. Oder: Niemand fühlt sich für die Pflanzen verantwortlich, wenn Kollegen krank, im Urlaub oder gar nicht mehr in der Firma sind. Chemie, Keime und allergische Reaktionen sind zusätzliche Problemfelder.

Büroexperte Brehme rät Unternehmen daher zu einem pragmatischen und funktionalen Blick. „Die Natur ist draußen, die künstliche Welt ist drinnen. Das Büro bleibt ein Büro und ist kein Gewächshaus.“ Anders sieht es aus, wenn das Thema Grün für das Bürogebäude oder das Unternehmen identitätsstiftend ist. „In München haben wir unlängst im Rahmen eines Konzeptes für ein Objekt am Olympiapark die umgebende Parklandschaft aufgegriffen“, erklärt Brehme. So wurden flächige Grünpflanzen in der Kantine, auf der Dachterrasse und sogar im Sanitärbereich akzentuiert als Stilmittel eingesetzt. „Konkretes und logisches Ziel war es, durch Pflanzenelemente den Luft- und Kraftspender Olympiapark im Gebäudeinneren fortzuführen.“ Biophiles Design beschränkt sich nach seinen Worten zudem nicht nur auf Pflanzen, sondern gleichsam auf natürliche Materialien, Strukturen, Flächen und Formen. Auch natürliches Licht sowie die elegante Integration des Elements Wasser gehören dazu. 

Unabhängig davon sind zudem laut CSMM generell frische Schnittblumen zur Dekoration und oft auch gut angelegte Flechten- und Moosflächen in Eingangsbereich, Lobby oder Kantine mit dem Architekturkonzept vereinbar.